Wiesn 2026 – Von Bierbalken, Vorurteilen und guten Tischen

Wolf Heider-Sawall, Felix Fichtner, Susanne Graue aka Stadtlocke und Dagmar Fröhlich (Valmont)
Mit Wolf, Felix Fichtner (Murmelz Communication) und Dagmar Fröhlich (Valmont) in der Käfer Wiesn Schänke

Unsere Wiesn endete im Schwabinger Krankenhaus. Das klingt dramatischer, als es am Ende war. Aber nachdem mir in der Nacht der Hals anschwoll und sich zur veritablen Erkältung auch noch eine Panikattacke gesellte, fuhr ich sicherheitshalber in die Klinik. Wolf natürlich im Schlepptau. Diagnose: Virusinfekt mit Stimmverlust. Und damit war sie für uns vorbei, die Wiesn 2026. Vielleicht hatte mein Körper auch einfach beschlossen: Jetzt reicht’s.

Denn zuvor hatten wir einiges erlebt. Und aufs Neue wieder festgestellt, dass die Wiesn weit mehr ist als Bier, Dirndl, Lederhosen und die alljährliche Frage, ob man wirklich noch auf eine weitere Bank steigen sollte.

Wirtshauswiesn? Unbedingt!

Es soll ja Menschen geben, die in der Wirtshauswiesn die traurige Notlösung zur echten Wiesn sehen. Quasi der lahme Tanztee im Vergleich zum coolen Club. Weit gefehlt. Margareta Schneider hatte uns zu einem kleinen, sehr lustigen Kreis feierwilliger Frauen in ihr Schneider Bräuhaus im Tal eingeladen. Meine erste Wirtshauswiesn – ich bekenne. Und was soll ich sagen: Ich bin jetzt Fan.

In diesem wunderschönen, urigen Wirtshaus wurde gesungen und gefeiert, auf Bänken und in den Gängen getanzt, dass sich die Bierbalken nur so bogen. Als die fantastische Band dann auch noch verkündete, dass die Königin ihres bevorzugten Hopfentrunks, Frau Schneider höchstpersönlich, anwesend sei, kannte der Jubel kaum Grenzen.

Schon gar nicht beim ebenfalls – natürlich rein zufällig! – anwesenden Schneider-Weisse-Fanclub Kelheim. Den gibt es wirklich. Und sollte einer von euch das hier lesen: Ihr habt den Laden gerockt.

Ein Abend ohne großes Gewese, dafür mit umso mehr Gaudi. Und vielleicht ist das ohnehin eines der Geheimnisse einer guten Wiesn: Nicht der vermeintlich exklusivste Ort entscheidet über einen Abend, sondern die Menschen, mit denen man ihn verbringt.

Vom Radiomikrofon ins Käferzelt

Diese Erkenntnis sollte sich an unserem letzten Wiesntag noch einmal bestätigen. Zunächst ging es auf Einladung von Sarah Dix und Katrin Schwaiger zum Interview ins Radio-Gong-Wiesnstudio in Bodo’s Cafézelt.

Und danach auf Einladung von Felix Fichtner von Murmelz Communication in die Käfer Wiesn-Schänke. Ich gestehe: Das Käferzelt gehörte bislang nicht unbedingt zu meinen bevorzugten Wiesn-Orten. Zu hoch erschien mir die Z-Promi-Dichte, zu viel Gewese und Getue. Und als wir am Reservierungseingang gemeinsam mit den klassischen Stanglwirt- und Kitzbühelbesuchern auf Einlass warteten, sah ich mich in meinen Vorurteilen zunächst durchaus bestätigt.

Es kommt darauf an, mit wem du am Tisch sitzt

Und da hätten wir es kaum besser treffen können. Bei Felix saßen etwa 14 Menschen, die sich größtenteils wenig oder gar nicht kannten. Und trotzdem wurde vom ersten Moment an geratscht, gelacht, gesungen und irgendwann natürlich auf den Bänken getanzt. Kein mühsames Abtasten, kein demonstratives Desinteresse am unbekannten Gegenüber. Einfach ein richtig guter Tisch.

Und noch ein Vorurteil durfte ich über Bord werfen: Auch an den Nebentischen keine unangenehmen Eskalationen. Vielleicht lag das am Politikertisch schräg gegenüber, wo Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber und Kulturstaatsminister Markus Blume höchst korrekt auf den Bänken tanzten und sangen.

Vielleicht aber auch an Michael Käfer selbst. Denn der kümmert sich tatsächlich jeden Abend persönlich um die Platzierung seiner Gäste. Und offenbar hatte er unserem Tisch zugetraut, neben honorigen Politikerinnen und Politikern lustig sein zu können, ohne vollständig die Würde zu verlieren. Überhaupt hat mich dieser Abend eines Besseren belehrt. Der Service war ausgezeichnet, das Essen hervorragend, die Band fantastisch mitreißend. Und Michael Käfer mittendrin – die Ruhe selbst.

Ich habe Respekt vor Menschen, die auch nach Jahrzehnten des Erfolgs ihre Arbeit noch ernst nehmen. Die ihre Gäste wahrnehmen und ebenso ihre Mitarbeitenden. Bei Michael Käfer hatte man den Eindruck, jeder werde behandelt, als kenne und schätze man sich seit Jahren.

Und dann kam Ria…

Zu guter Letzt erschien Ria an unserem Tisch. Ria war ihres Zeichens Jurastudentin, gehörte nicht zu unserer Runde und war dem Bier zu diesem Zeitpunkt bereits ausgesprochen zugetan. Sie blieb vor mir stehen und erklärte mir, ich sähe „so, so schön“ aus und hätte ein wundervolles Dirndl.

Ich war entzückt. Bis Ria mir dasselbe Kompliment mit zunehmender Schlagseite zum vierten Mal machte und sich bei mir langsam der Verdacht einschlich, dass sie möglicherweise vollgetankt durch eine Hintertür der Schänke gekommen war und nun bei einer netten mütterlichen Frau wie mir Heimat, Anschluss und gegebenenfalls auch Verköstigung suchte.

Meine anfängliche und nun völlig zerschmetterte Freude ersang ich mir gemeinsam mit Dagmar Fröhlich bei den nächsten Wiesnhits zurück. Bis meine Stimme kippte. Ich hielt die Singerei für verantwortlich. Aber der Virus wusste es besser.

Und plötzlich wurden aus den Babies die Bubis

Die nächsten Tage verbrachte ich mit Kopf- und Gliederschmerzen und ohne Stimme im Bett. Wolf war begeistert. Kein Gemecker, keine Gegenwehr meinerseits. Wann hat man das schon mal?

Matthias Matuschik, unser Kollege bei Feelgood.fm kam vorbei und brachte mir meinen geliebten Crémant, den ich zwar nicht trinken, aber immerhin sehnsüchtig bewundern konnte. Und weil Freunde für die wirklich wichtigen Dinge im Leben da sind, übernahm er kurzerhand auch noch meinen Sendeplatz bei Feelgood.fm. Aus unseren „Babies“ wurden für einen Abend die „Bubis“. Und sie haben die Show gerockt.

Irgendwann hatte ich dann genug geschlafen, genug gelitten und offensichtlich auch genug Wiesn gehabt.

Was bleibt nun vom Oktoberfest 2026?

Eine Wirtshauswiesn, die völlig neue Möglichkeiten eröffnet hat. Ein Käferabend, der Vorurteile aus dem Weg geräumt hat. Ein paar ausgesprochen schöne Einladungen und Begegnungen. Menschen, die sich nicht kannten und trotzdem miteinander gefeiert haben. Und die Erkenntnis, dass es auf der Wiesn vielleicht genauso ist wie im richtigen Leben: Nicht immer entscheidet der Ort darüber, ob es gut wird, sondern die Menschen, mit denen man am Tisch sitzt.

Und jetzt ist auch gut mit Wiesn. Bis zum nächsten Jahr, wenn es wieder heißt: O’zapft is! Auf eine friedliche Wiesn!

Fotos: Elisabeth Nelles / Sarah Dix / Wolf Heider-Sawall

Total
0
Shares
Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Vor absenden des Formulars, akzeptieren Sie bitte die Datenschutzerklärung.

Prev
Amsterdam – vielleicht liegt es am Wasser

Amsterdam – vielleicht liegt es am Wasser

Zwischen Grachten, Großstadt und Gefühl

You May Also Like