Von Höschen und Hoffnung – mein Buch bei Story.One

Die Frage nach dem Warum.
Buch "Von Höschen und Hoffnung"
Self Love – absolutely important.

Werbung / in eigener Sache

Prokrastination oder die Frage nach dem Warum

Prokrastination ist ein edleres Wort für Handlungsverzögerung. In meinem Fall bedeutete es, jahrelang den Plan in mir zu hegen, ein Buch zu schreiben – um genau dies dann jahrelang nicht zu tun. Schlussendlich versetzte ich mir selbst den nötigen Tritt. Und wie ich heute in einem anderen interessanten Buch las: dies beginnt mit der wichtigen Frage nach deinem eigenen Warum.  

Das Schreiben meines ersten Buches ist unter enormem zeitlichen und mentalen Druck entstanden. Ich hatte mir alles anders ausgemalt, bin aber auch in den Wochen, Monaten – ach was – Jahren davor, immer ausgewichen, drumherumgeschlichen. 

Soll ich und vor allem was?

Es gab 1000 Argumente, es nicht zu tun: Über was soll ich schreiben, welches Format soll es haben? Aber vor allem: wen interessiert‘s? Ich lebte in der Überzeugung, dass ich nichts Kluges zu erzählen hätte…wartete auf „Inspirationen“ – zu was auch immer. Ich hängte die Messlatte enorm hoch, stellte mir selber Regeln auf, was erlaubt sei und was nicht… Wenn Freundinnen, Freunde, ja der eigene Partner nachhakten, wann ich den endlich anfangen würde, mein Buch zu schreiben und wann sie es endlich lesen dürften, entgegnete ich nur: bald. Wüsste eben nicht, was ich schreiben solle. Hätte aber tolle Ideen. Bei denen blieb es dann auch und das war alles andere als toll.

Dann gab es da Menschen, die einfach es einfach taten.

Natürlich stieß ich regelmäßig auf Menschen, die ein Buch geschrieben hatten. Einfach so. Die Themen reichten von trivial bis ernsthaft, manches war herausragend, manches war eher schlicht gehalten. Da waren interessante Ratgeber, spannende Krimis, gut recherchierte Historienromane, schlichte Schnulzen – alles dabei. Die Tonalität reichte von mitreißend bis einfach.
Bei letzterem war ich dann natürlich sauer, wie so ein „Mist“ sich überhaupt verkaufen könne. Nur…

Wenn ich ganz ehrlich in mich hineinhorchte, war ich auf mich sauer. Sauer, dass andere einfach ins Tun gekommen waren und ich eben nicht. Sauer, dass andere sich scheinbar nicht mit der Themenauswahl herumgequält, sondern einfach geschrieben hatten. Es einfach gemacht haben, egal, was dabei herauskam. Und dann waren einige von ihnen auch noch verdammt erfolgreich…was für eine Frechheit! 

Der Storyteller-Wettbewerb von Story.One…

Als ich den Storyteller-Wettbewerb von Story.One entdeckte, dachte ich sofort: Das ist es, jetzt ist der Moment gekommen. Ein paar Wochen hast du Zeit, das sollte zu schaffen sein. Dann wurde meine Mutter wieder krank, es begann eine wochenlange Irrfahrt durch zig Krankenhäuser. 
Schließlich war der 03.03., Deadline für die Abgabe des Buches jedoch war bereits der 10.03. Bis dato geschriebene Geschichten: anderthalb. Nur um festzustellen, dass ich thematisch in den Geschichten taktierte, es versuchte, einem imaginären Publikum recht zu machen, welches ich für mich noch nicht einmal konkret definiert hatte…

Long story short: ich wurde krank und lag mit einem Infekt auf dem Sofa. Aber anstatt mich zu erholen, wurde ich immer unruhiger. Eigentlich hatte ich ja jetzt das Argument zur Hand, nichts mehr schreiben zu „müssen“, der zeitliche Rahmen war mehr als eng und überhaupt…

Ich horchte in mich hinein und wusste plötzlich, dass ich mir das nie verzeihen würde, wenn ich es jetzt nicht angehe. Zumindest versuche. Aber einfach anfange.

Die Ausreden ausschalten…

Kennt ihr das? Ihr merkt plötzlich, dass kein Argument, sei es auch noch so logisch, mehr mit eurer inneren Stimme deckungsgleich ist. Ihr könnt euch nicht mehr belügen, ihr könntet es doch jetzt beiseite schieben, endlich mal Fenster putzen, Emails aufräumen, die Krankheit auskurieren, halbherzig die Tante anrufen oder es mit Essen und Alkohol wegdrücken… Aber wenn ihr ehrlich zu euch seid, wisst ihr, dass ihr es: Jetzt. Tun. Müsst. 

Plötzlich kam in mir ein Thema hoch, welches mich und viele Frauen da draußen ein Leben lang begleitet: die Unsicherheit, die Unzufriedenheit mit sich und dem eigenen Körper, die Fixierung auf Äußerlichkeiten, der Glaube, vermeintlichen Idealen entsprechen zu müssen. Aber ich wusste auch, dass ich die Verantwortung für diesen Misstand entgegen der üblichen Lesart nicht den Männern in die Schuhe schieben wollte. 
Denn meine Erfahrungen sind ganz andere als dass Männer nur Idealfiguren und perfekte Frauen haben wollen. Aber dazu mehr in meinem Buch… Also schmiss ich die anderthalb Geschichten in den Papierkorb. Und fing ganz bei Null an. 

Im Rausch des Schreibens…

Ich war sechs Tage in einem beglückenden Rausch. Ich schrieb mich glücklich. Und gesund gleich mit. Wolf steuert seine wunderbaren Fotos dazu. Und am 09.03. lud ich das Buch hoch. Mein, unser Buch. Ich drückte auf die Taste „Überprüfen und Hochladen“ und war ein wenig fassungslos, dass ich es geschafft hatte. Und stolz. 

Es war mir jetzt auch egal, ob diese 63 Seiten jemanden aus den Angeln heben oder eher trivial finden könnte. Vielleicht ist es das sogar. Zum Literaturnobelpreis fehlen ein paar Seiten und auch das Pulitzerpreis-Komitee wird nicht anrufen. So what.
Aber ich bin meinem „Warum“ gefolgt, nämlich authentische, ehrliche und humorvolle Geschichten zu schreiben, die kurzweilig den Finger in die Wunde legen, wo man sich wiederfinden kann, ohne tiefe Wunden auszureißen, wo man vielleicht bemerkt, dass man eine andere Sichtweise einnehmen darf und vor allem: sich selbst annimmt. Es sich wert ist. Und dafür braucht es keine Idealfigur.

Genauso wenig wie einen Idealzustand, um ins Tun zu kommen.

Fragt nach euren Warum. Und dann tut es.

Zum Buch “Von Höschen und Hoffnung”:

Sieben Jahre in einer Wäscheabteilung. Stadtlocke berät Frauen beim optimalen BH-Kauf. Und ist doch viel mehr: Zuhörerin, Therapeutin, Tränentrocknerin und Mutmacherin. Sie hört Geschichten von kaputten Ehen, schweren Krankheiten und rassigen Liebhabern. Aber vor allem immer wieder von Selbstzweifeln und dem Gefühl, dass der eigene Körper nie schlank und schön genug sei. Trotz aller propagierten Emanzipation. In diesem Buch möchte Stadtlocke uns Frauen Mut machen, aber auch mit uns ins Gericht gehen: der Weg zur Selbstliebe ist einer, für den wir selbst Verantwortung übernehmen müssen. Manchmal mit Strenge, manchmal auch mit einem Lover oder einem Schokocroissant. Aber vor allem: mit Lachen. Und schöner Wäsche.

Fotos: Wolf Heider-Sawall

Buch: Von Höschen und Hoffnung

Total
0
Shares
Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Vor absenden des Formulars, akzeptieren Sie bitte die Datenschutzerklärung.

Prev
Marianne Wille – ein Leben mit drei Seiten
Marianne Wille Dallmayr Stadtlocke

Marianne Wille – ein Leben mit drei Seiten

Marianne Wille im Gespräch über Liebe, Dankbarkeit und Humor

Next
Dieter Reiter – Menschen, München und Musik
Dieter Reiter, Münchner Oberbürgermeister

Dieter Reiter – Menschen, München und Musik

Münchens Oberbürgermeister im Gespräch über Musik, Tradition und kulturelle

You May Also Like