Amore Bio mit Kami Manns

Stadtlocke – Kultur und Handel im Tessin.
Kami Manns und Susanne Graue
Kami Manns und Susanne Graue im Bioguru

Stadtlocke im Tessin

Bei Locarno denkt man an den atemberaubenden Lago Maggiore, das malerische Tessin und natürlich das international bekannte Filmfestival, welches neben Cannes und Venedig bedeutende Filmschaffende aus aller Welt anzieht und gerade erst stattfand. Und wären es nicht noch Hans Arp und seine zweite Frau Marguerite Hagenbach gewesen, die nach Arps Züricher Dada-Jahren hier ein Haus bezogen und künstlerisch gewirkt hätten, dann würde man von Locarno´s gepflegter Langeweile wenn nicht gleich paralysiert, dann doch in leichten Dämmerschlaf versetzt. Die Weiterfahrt nach Mailand erscheint einem eine sinnvolle Lösung und quasi ein Lichtblick. Wenn es da nicht Kami Manns gäbe…

Kami Manns, Schauspielerin und Regisseurin

Kami Manns ist ein Phänomen. Als sie mich im Mai über Facebook kontaktierte und fragte ob ich sie bei ihrer Kommunikationsstrategie unterstützen könne, blieb ich erstmal zurückhaltend. Sie wohnt in besagtem Locarno, vielmehr auf dem abenteuerlich erreichbaren Monte Brè, zu gut Deutsch – nicht ums Eck. Aber ich bin ein Freund des persönlichen Kennenlernens. Kami sah dies genauso. 

In diesem Moment hakte ich das Projekt innerlich ab, denn 2022 war das Jahr der Dampfplauderer – nur reden, nichts reißen – und ich hatte mir geschworen, in 2023 konsequent jeden abzusägen, der es nicht schafft, Zusagen und verbindliche Termine einzuhalten. Da machte ich mir bei Locarno-München wenig Hoffnung, wenn schon München-München für manche die Extrameile zu viel war. Aber Kami Manns kam acht Tage später extra angereist, saß mit uns im schönen Café Roma und hat in vier Stunden deutlich gemacht, was sie sich in Bezug auf Kommunikation und Außenwirkung wünscht und von mir als Unterstützung braucht. Eine Frau, ein Wort.

Kami Manns und Susanne Graue im Bioladen Bioguru in Cadenazzo

Kamis kulturelle und geschäftliche Aktivitäten auszuführen, würde den Rahmen diese Blogposts sprengen. Aber zum besseren Verständnis ihrer vielseitigen Persönlichkeit ein kleiner Auszug: Schauspielerin in diversen Filmproduktionen, Tänzerin, Regisseurin und Spielleiterin an unterschiedlichsten Orten, darunter der Bayrischen Staatsoper, Mutter von 6 Kindern. 

Kami Manns – kreatives Feuer

Und weil das natürlich noch nicht genug ist, hat sie darüber hinaus in Zürich einen selbstverwalteten Raum für Tanz und Theater – Brücki 235 – gegründet. Aber auch hier waren ihre energetischen Grenzen noch nicht erreicht – also eröffnete sie noch einen Bioladen in Cadenazzo/Locarno, an einem verkehrstechnischen Knotenpunkt gelegen, für den sie den Einkauf macht, das Personal einstellt und natürlich mit im Verkauf hilft. Bioguru, so der Name des Ladens, soll aber nicht nur Einheimische und Urlauber mit einem biologischen Vollsortiment versorgen, sondern Kami hat den Anspruch, daraus einen Begegnungsort für kulturelle Vielfalt und Bildungsprojekte zu machen. Die von ihr ebenfalls gegründete Kulturinstitution paradise is here kreiert, produziert und realisiert seit 2016 Kunst-, Kultur- und Bildungsprojekte. Die Gewinne von bioguru sollen als eine verlässliche Basisfinanzierung von künstlerischen, nachhaltigen und Bildungsprojekten von paradise is here eingesetzt werden. Puh. Punkt.

Stadtlockes Leidenschaft für den Handel

Schlussendlich unterstützte ich Kami jedoch an ganz anderer Stelle als ursprünglich geplant. Und das hat mit (m)einem biografischen Umstand zu tun, der entfernt von Kultur, Texterei oder meinem ursprünglichem Lehramtsstudium zu tun hat: ich liebe den Handel und Verkauf. Seit über dreißig Jahren habe ich immer neben allen Tätigkeiten, die ich mit Herzblut betrieben habe, wie Lerntherapie, Marketing, Beiträge für Blogs oder Magazine, Webseiten-Texte, Social Media, Lektorat und noch einiges mehr, im Handel gearbeitet. Ich bin eine Verkäuferseele. Das gebe ich unumwunden zu. Nicht wahllos und auch nicht jedes Produkt. Aber wenn ich für etwas brenne, dann gibt es für mich kaum ein befriedigenderes Gefühl, als ein schönes Produkt zu verkaufen, Umsätze zu machen und glückliche Kundinnen und Kunden zu gewinnen. Der Verkaufsprozess ist eine Mischung aus gelungener Schauspielerei, fundierter psychologischer Begleitung (learning by doing wohlgemerkt) und natürlich solider Produktkenntnis. Und entgegen landläufiger Meinung ist der letzte Punkt für ein gelungenes Verkaufsgespräch meist der am wenigsten ausschlaggebende. 

Bioguru – der Bioladen im Tessin

Nach Sichtung aller Projekte und deren kommunikativer Zusammenführung war deutlich: Prio Nr. Eins ist der Bioladen. Da mögen die kulturellen Aktivitäten noch so viel Freude machen – im Bioguru steckt ebenso viel Herzblut wie Geld. Damit das nicht umsonst investiert worden sein sollte, mussten wir also hier ansetzen. Entgegen einiger bereits extern vorgeschlagener Strategien, war meine klar und Kami sah dies sehr ähnlich: das Personal musste geschult werden. In meinen Jahren im Verkauf bin ich immer wieder erstaunt und überrascht, dass oftmals viel Geld für Marketing, Kommunikation und Branding für den Handel oder einen Dienstleistungssektor ausgegeben wird. Die Verkäuferinnen und Verkäufer, Dienstleister stehen am untersten Ende der Leiter. Aber für den Kunden sind sie die ersten, einzigen und wichtigsten Ansprechpartner. Sie sind das Aushängeschild und es dauert, bis du ein Label so aufgebaut und unverkennbar gemacht hast, dass dir Kunden schlechten Service verzeihen, weil sie unbedingt das Produkt haben wollen, wie z.B. bei Apple oder Louis Vuitton. Der Regelfall ist, dass sich Kunden eher an gute oder schlechte Beratung erinnern und dementsprechend ihre Kaufentscheidung treffen.

Ein Verkaufstraining im schönen Tessin zu geben – nun, es gibt schlimmere Aufträge. Wunderschöne Fahrt dorthin, Kaffeetrinken in Locarno, abenteuerliche Fahrt auf den Monte Bré, Abendessen mit Kami und ihrem Mann, atemberaubender Ausblick auf den Lago Maggiore und ein morgendliches Wecken vom echten Kuckuck und mal nicht von meiner (zwar sehr stylischen) Kuckucksuhr daheim – das allein war es schon wert, losgefahren zu sein. 

Das Training am darauffolgenden Tag machte allen Beteiligten großen Spaß, Kamis Team machte begeistert mit – obwohl Kami übersetzen musste, denn die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sprachen fast nur Italienisch. Fiktive Kunden (ich) mit komplizierten Einkaufswünschen (auch ich) wurden vom Bioguru Team kompetent beraten und gingen mit vollen Einkaufskörben heim. Für die Profis aus dem Team – so das Resümee – war es eine wunderbare Auffrischung und die Neulinge waren dankbar für meine Tipps aus der Trickkiste. Und vor allem meinem Credo: Menschen kaufen von Menschen. Das Sortiment im Bioguru ist fantastisch – aber am Ende zählt der einzelne Kunde, der gepflegt und in seinen Wünschen ernstgenommen werden möchte.

La dolce vita in Milano

Baby beschloss, wer arbeitet sollte auch unbedingt italienische Lebensart genießen, und so ging es dann noch für einen halben Tag spontan nach Mailand. Was soll ich sagen: es war mein erster Besuch in der Stadt der Mode und es wird nicht mein letzter gewesen sein. Die Eleganz der Italienerinnen und Italiener ist einfach nicht zu toppen. Sie legen Wert auf ihr Äußeres, aber mit einer lässigen Selbstverständlichkeit. Auch bei großer Hitze wird man hier keine praktische Funktionskleidung sehen, sondern stilsichere Outfits – unabhängig von Alter und Geschlecht. Wolf erfuhr sogar nickende Anerkennung seitens einiger italienischen Herren, nachdem sie ihn – bekleidet mit langer Leinenhose und einem italienisches Jacket von Bob samt Einstecktuch – gemustert hatten. Darüber hinaus kamen wir beide auf unsere Kosten, denn die Italienerinnen und Italiener sind ja nicht die Hässlichsten…

Mit nach Hause durfte eine schöne Leinenhose für mich und eine Bialetti-Espressokanne, von Dolce & Gabbana designt – eine wunderschöne Erinnerung an la dolce vita in Milano und unseren kleinen Roadtrip zu Kami Manns und ihren wunderbaren Projekten.

Fotos: Wolf Heider-Sawall

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Comments 6
  1. Liebe Susanne, als Leser spürt man, dass deine Blogs mit zwei wesentlichen Zutaten zubereitet werden: Herzblut und Ehrlichkeit.
    Ich war vor über 25 Jahren im Tessin, am Lago Maggiore und sämtlichen wunderschönen und einzigartigen Seitentälern und die Schweizer sind unbeschreiblich liebe Seelen. Dein Blog ist so rund und harmonisch geschrieben, wie ein riesiges Herz.

    1. Liebe Susanne, da kann ich mich aber nur allerherzlichst bedanken für dein wunderbares Kompliment! Ich könnte gar nicht anders schreiben, Fassaden gibt es doch genug, wir brauchen doch alle a guads Gfui. Für mich war es das erste Mal am Lago Maggiore und ich war von der Landschaft überwältigt.

    1. Liebe Karo, ich danke dir sehr herzlich für deinen Kommentar – und dass dir der neue Name für mein Magazin so gut gefällt, freut mich umso mehr!!

  2. Liebe Susanne,
    Einmal begonnen, kann man nicht mehr aufhören! Du schreibst erfrischend ‘verlockend’!!!
    Und was diese Selfmade Frau und Mutter von 6 Kindern betrifft, man kann’s kaum glauben. Tolle Story.
    LGT

    1. Liebe Tatyana, danke dir! Das freut mich natürlich sehr! Und was Kami betrifft – mir ging es genauso. Bis wir sie live erlebt haben. So eine Energie – Wahnsinn!

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