Zwischen Aldus Manutius, Maria Schell und Marianne Wille spannten Münchner Veranstaltungen im Januar einen Bogen über Jahrhunderte.
Gutenberg, Manutius und die Revolutionierung des Buchdrucks
Die Eröffnung der Ausstellung „Vom Blei zum Papier, von Gutenberg zu Manuzio: die Revolution des Buches“, die am 19. Januar 2026 in Anwesenheit des Botschafters Umberto Vattani, des Generalkonsuls Sergio Maffettone sowie des Vizekonsuls und kommissarischen Leiters des Italienischen Kulturinstituts Giacomo Leopoldo Bampini im italienischen Generalkonsulat stattfand, war viel mehr als eine Hommage an das Buch.
Es war eine Reise zwischen Deutschland und Italien, zwischen zwei Geistern, die die Art des Lesens für immer verändert haben. Von Mainz nach Venedig wurde der Buchdruck zu verbreitetem, persönlichem, tragbarem Wissen.


Gutenberg machte den Druck möglich, Manutius demokratisierte ihn: Bücher, die vorher Adel und Klerus vorbehalten waren, wurden durch seine Innovationen handlich, tragbar und daher für (fast) jedermann erschwinglich. Wusstet ihr, dass Manuzio die Interpunktion erfunden hat? Vorher war das Geschriebene ein langes Band von Wörtern, Manutius machte mit Punkt, Komma und Semikolon aus der Wörterschlange lesbare, strukturierte Gedanken. Der geschriebene Satz war geboren.
Manutius war die treibende Kraft bei der Wiederentdeckung antiker Schriften in der Renaissance und hatte mit seiner Herausgabe antiker Gelehrter wie Aristoteles, Homer, Platon oder Euripides einen wesentlichen Einfluss auf den Humanismus in Europa. Mit anderen Typographen setzte er alles daran, Bücher in handlicher Form auf den Markt zu bringen und druckte als erster die Bücher antiker Gelehrter in griechischer Schrift. Wusstet ihr, dass die Frankfurter Buchmesse bereits im Jahre 1485 gegründet und sofort ein großer Erfolg wurde? Schon kurze Zeit danach hatte Frankfurt den Ruf eines Zentrums des deutschen und europäischen Buchdrucks. 1596 wurden zur Buchmesse 90 Buchdrucker und Buchhändler empfangen.


Dieser Abend war für mich nicht nur eine Rückblick in die Geschichte, er stimmte mich angesichts der politischen Lage auch nachdenklich.
Warum immer ängstlich nach Übersee schielen, um wie ein Fähnchen im Wind jeder neuartigen, nie dagewesenen Niveaulosigkeit des orangefarbenen Brüllaffen nachgeben? Während der leidenschaftlichen Rede und Präsentation des Botschafters Umberto Vattani wurde mir wieder deutlich bewusst, welche Schätze und kulturelle Kraft Europa hervorgebracht hat.
Wir müssen uns wieder auf all diese Werte besinnen: Humanismus, Menschenrechte, das Recht auf Bildung, die Gleichheit der Geschlechter. Wir müssen dies wieder in unserer Sprache, in unserer Politik, im täglichen Umgang repräsentieren und aktiv leben!
In die Moderne wurde der Abend dann noch durch Dr. Annette Doms mit der Vorstellung ihres Buches „Von Gutenberg zu ChatGPT“ geführt, in welchem sie über Deutschlands große Herausforderungen im globalen KI-Wettbewerb schreibt. Gekauft!
Lasst uns Europas Kultur wieder feiern und Brücken in die Ecken der Welt bauen, die offen für eine neue Weltordnung der Menschenwürde und Kreativität sind!


“Yes, we schell!” Geschichten, Gesang, Genuss – mit Marie Theres Relin und Michael Halberstadt
In der selben Woche besuchten wir einen sehr unterhaltsamen Abend mit Marie Theres Relin und Michael Halberstadt, in welchem Marie Theres aus ihrem kürzlich erschienen Buch “Yes, we schell!” vorlas und uns mit wunderbaren Episoden aus ihrem und dem Leben ihrer berühmten Mutter Maria Schell unterhielt.
Begleitet wurde Marie Theres vom Gitarristen und Sänger Michael Halberstadt – gemeinsam sangen sie im Duett auch Auszüge aus den „Tränenliedern“, die Relins Eltern 1969 aufnahmen und die sozusagen Schells Antwort auf ihr Branding „Seelchen“ waren. Sehr berührende, schöne Lieder.

Marie Theres Relin hat uns zu einer wunderbaren Zeitreise eingeladen, in der sie sowohl interessante Einblicke in die Zwiegespräche mit ihrer klugen und feingeistigen Mutter als auch in ein Leben vor und hinter dem Rampenlicht gewährte. Wir hörten herrliche Anekdoten von Fimstars, welche sich im Hause Schell die Klinke reichten, vom Wettweinen Maria Schells mit Klaus Maria Brandauer, von Marie Theres, welche als aufstrebender Jungstar des deutschen Films Hollywood unsicher machte und weitere wunderbare Geschichten.
Dank der Münchner Lach- und Schießgesellschaft im FAT CAT wurde der 100. Geburtstags von Maria Schell (15.01.2026) in bester Gesellschaft gefeiert. Ein Tribut an einen Weltstar, der Hollywood nach Deutschland holte.
Das Autorinnenfoto zum Buch „Yes, we schell!“ entstand bei Wolfs Shooting mit Marie Theres Relin im Frühjahr 2025.
Mit dabei waren auch: Gisela Schneeberger, Ilse Neubauer, Uschi Ackermann, Malte Wiedemeyer, Penny McLean.


Marianne Wille – 75 Jahre jung, ein Stückchen weise und kein bisschen leise.
Das Jahr hatte gerade erst begonnen, da stand schon ein besonderer Geburtstag samt großer Feier auf dem Programm: Marianne Wille wurde am 15.01.2026 75 Jahre alt und hatte 230 Frauen in das Künstlerhaus am Lenbachplatz eingeladen. “Girls only” war das Motto und die einzigen geduldeten Herren waren Mariannes Mann Wolfgang Wille, die drei Schwiegersöhne und zwei Enkelbuben, welche sich charmant unter die Damen mischten.



Was zuerst wie ein gesellschaftliches Event aussah, entpuppte sich zu einem so herzlichen und emotionalen Abend, dass bei den geladenen Damen kaum ein Auge trocken blieb. Marianne sang humoristisch, gefühlvoll, es wurden Gedichte und Oden an Frau, Mutter, Schwiegermutter und Oma vorgetragen, wir selbst durften mitsingen und als Isi von Schaesberg schließlich Tina Turners Rockklassiker The Best performte, hielt es keine von uns mehr auf den Stühlen.
Marianne Wille im Kreise ihrer Familie zu erleben, die Darbietungen, die Liebe, die in alle Richtungen floß, der Humor, die Verbundenheit – es erschien uns Gästen, als hätte Familie Wille sich mit dieser Familie sich selbst das größte Geschenk gemacht.
Und dass Marianne Wille der Anker, der Fels in der Brandung, die Gestalterin dieses Zusammenhalts ist – daran hatte nach diesem Abend keiner mehr Zweifel.



Dieser Geburtstag war nicht nur perfekt organisiert – in wunderschönem Ambiente mit hervorragenden Essen ein wahres Fest – er hat uns alle tief berührt und beseelt nach Hause entlassen. Meine Tischdamen und ich haben gesungen und geweint und uns geschworen, die charmante Tischrunde wieder aufleben zu lassen.
