SUMMER: SUR REAL REAL – Zwischen Wirklichkeit, KI und ein bisschen Sommer

SUMMER SURREAL REAL Vernissage in der Galerie Lohaus München
Dr. Ingrid Lohaus mit den ausstellenden KünstlerInnen (habe mich ins Bild gesneaked…)

Summer in the city

Der Sommer hat seine ganz eigene Wirkung auf unsere Wahrnehmung. Das Licht erscheint weicher und zugleich intensiver, Farben leuchten kräftiger und die Hitze lässt den Horizont flimmern. Was wir sehen, scheint sich zu verändern – nicht unbedingt die Realität selbst, sondern unser Blick auf sie. Genau mit diesem Spannungsfeld beschäftigt sich die aktuelle Ausstellung SUMMER: SUR REAL REAL in der Galerie Lohaus, deren Vernissage wir besuchen durften.

KI und unsere Wahrnehmung

Schon der Titel spielt mit der Frage, was heute eigentlich noch als „real“ gilt. In einer Zeit, in der Künstliche Intelligenz Bilder erschafft, soziale Medien unseren Alltag inszenieren und digitale Technologien unsere Wahrnehmung beeinflussen, verschwimmen die Grenzen zwischen Wirklichkeit und Konstruktion zunehmend. Die Ausstellung greift diese Entwicklung auf und macht sie auf unterschiedliche Weise sichtbar.

Gezeigt werden Arbeiten von Matthias Bitzer, Louisa Clement, Harm van den Dorpel, Janina Roider, Melanie Siegel und Charlie Stein. So unterschiedlich die künstlerischen Positionen auch sind, verbindet sie die Auseinandersetzung mit den Veränderungen unserer Gegenwart. Die Werke zeigen keine eindeutigen Antworten, sondern eröffnen Perspektiven und Denkräume. Sie laden dazu ein, genauer hinzusehen, Gewohntes zu hinterfragen und sich auf Irritationen einzulassen.

Virtuelle Welten und reale Körper

Besonders spannend ist dabei die Aktualität des Themas. Künstliche Intelligenz ist längst Teil unseres Alltags geworden. Bilder entstehen auf Knopfdruck, virtuelle Welten wirken täuschend echt und Algorithmen beeinflussen, was wir sehen und wie wir die Welt wahrnehmen. Die Ausstellung macht deutlich, dass es dabei nicht nur um technische Entwicklungen geht, sondern um grundlegende Fragen: Was ist authentisch? Welche Bilder prägen unser Verständnis von Realität, von unserem Körper, unserer Wahrnehmung, unseren Gefühlen? Und wie verändert sich unser Blick auf die Welt, wenn digitale und analoge Erfahrungen immer stärker miteinander verschmelzen?

Dabei verzichtet „SUMMER: SUR REAL REAL“ bewusst auf erhobene Zeigefinger. Stattdessen entsteht ein spannender Dialog zwischen den Kunstwerken und den Betrachtenden. Manche Arbeiten faszinieren auf den ersten Blick, andere entfalten ihre Wirkung erst nach längerer Betrachtung oder es bedarf sogar einer erweiternden Erklärung. Gerade dieses Wechselspiel macht den Reiz der Ausstellung aus und sorgt dafür, dass jeder Besuch ein wenig anders ausfallen kann.

Kunst zwischen Handarbeit und Künstlicher Intelligenz

Auch der Ausstellungsort trägt seinen Teil zur besonderen Atmosphäre bei. Die Galerie Lohaus Sominsky bietet mit ihren großzügigen Räumlichkeiten den Werken den Raum, den sie benötigen, ohne sich selbst in den Vordergrund zu drängen. Während der Vernissage ergaben sich zahlreiche Gespräche über Kunst, Digitalisierung und die Frage, wie sehr sich unser Alltag in den vergangenen Jahren verändert hat. Kaum jemand konnte dies mehr bestätigen als die KünstlerInnen selber, die sich bewusst zwischen Handarbeit und digitaler Verfremdung bewegen. Genau diese Gespräche zeigen, was gute Ausstellungen leisten können: Sie schaffen Begegnungen und regen dazu an, den eigenen Standpunkt immer wieder neu zu überdenken.

Eine echte Sommernacht zum Abschluss

Einen stimmungsvollen Abschluss fand der Abend im Innenhof der Goldschmiede Leinfelder. In entspannter Atmosphäre kamen Kunstschaffende, Gäste und Gastgeber zusammen, tauschten Eindrücke aus und ließen den Sommerabend bei kulinarischen Köstlichkeiten ausklingen. Es war einer dieser Momente, in denen sich zeigt, dass Kunst weit über den Ausstellungsraum hinaus wirken kann, nämlich als wunderbarer Anlass für Begegnungen, Gespräche und neue Perspektiven. Eine italienische Nacht in München.

Unser Fazit: „SUMMER: SUR REAL REAL“ ist weit mehr als eine klassische Sommerausstellung. Sie bedient kein klassisches Sommerklischee, sondern verbindet aktuelle gesellschaftliche Themen mit zeitgenössischer Kunst und lädt dazu ein, die eigene Wahrnehmung kritisch zu hinterfragen. Auch hier. nicht alles muss und will gefallen. Aber gerade in einer Zeit, in der digitale Bilder unseren Alltag prägen wie nie zuvor, wirkt diese Ausstellung überraschend aktuell. Und vielleicht auch ein wenig wie der Sommer selbst: intensiv, laut, heiß und manchmal angenehm surreal.

Fotos: Wolf Heider-Sawall

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